Tucherkeller

Die Tucherkeller gehörten einst zu den großen Brauereikellern Nürnbergs, die im zweiten Weltkrieg als Luftschutzraum dienten. Heute ist von ihnen nur noch ein Teil der ursprünglichen Kelleranlagen erhalten. Es gibt den großen und den kleinen Tucherkeller, sowie den Tucherstollen, der in ein Stollensystem an der Stadtmauer mündet, welches zum Panierskeller führt. Die beiden Keller sind ebenfalls über einen Stollen miteinander verbunden.

Die zum Teil Jahrhunderte alten Kellersysteme unter der Altstadt Nürnbergs wurden zumeist als Lagerräume und Bierkeller geschaffen. Im Winter brach man das Eis der umliegenden Gewässer in Blöcke und lagerte es in die Keller ein. So wurde über den Sommer eine konstante Temperatur von 12 Grad Celsius erreicht, mit der das Bier problemlos gelagert werden konnte. Der Name Tucherkeller stammt von der Tucher-Brauerei, die bis zum Kriegsende nicht nur die Keller sondern auch ausgedehnte oberirdische Areale zwischen der Maxtormauer und der Hirschelgasse besaß.

Nach dem 2. Weltkrieg war das Areal wie fast die gesamte Altstadt Nürnbergs zerstört. Die Brauerei gab das Gelände auf. Die Stadt nutzte die freiwerdenden Flächen zur Neuordnung. So entstand auf einem Teil des Areals der Neubau der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Nürnberg. Bei den Aushubarbeiten wurde der große Tucherkeller angeschnitten. Teile der unterirdischen Räumlichkeiten mussten dem Neubau weichen.

Im Kalten Krieg begann man die Tucherkeller zu modernisieren und an die neuen Anforderungen anzupassen. Im Rahmen dieser Arbeiten wurden die tieferen Geschosse verschlossen, so dass die Tucherkeller heute nur noch ein unterirdisches Geschoss aufweisen.

Die Sandsteinwände wurden mit Spritzbeton ausgekleidet (torkretiert). Die damals als innovativ betrachtete Baumaßnahme führt allerdings leider dazu, dass das Wasser aus dem Sandstein nicht mehr frei austreten und ablaufen kann. So sammelt es sich hinter der Torkretierung, was diese im Laufe der Zeit sprengt und Schimmelbildung in den unterirdischen Räumen verursacht.

Ein beträchtlicher Aufwand wurde für die technische Ausstattung betrieben. Ein automatisches Lüftersystem, eine Küche, Toiletten, Sandfilter und Notstromaggregate wurden in die Keller genauso eingebaut wie moderne Luftschutztüren. Der kleine Tucherkeller war für 590 Personen ausgelegt, der große Tucherkeller für 1290 Personen.

Die meiste Gebäudetechnik lief gerade mal ein paar Probestunden. Nachdem die Zivilschutzräume aufgegeben wurden, blieben sie sich weitgehend selbst überlassen. Heute werden sie noch regelmäßig von der Polizei für Übungszwecke genutzt. Die Räumlichkeiten sind hervorragend geeignet, um Einsätze mit Nachtsichtgeräten zu üben. Für die Öffentlichkeit sind die Tucherkeller nicht zugänglich.

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